BuiltWithNOF
Macropanesthia rhinoceros

Macropanesthia rhinoceros

Weibchen von Macropanesthia rhinoceros, 68mm

Systematik und Namen

Australische Riesenschabe

Klasse

Insecta (Insekten)

Unterklasse

Pterygota (Fluginsekten)

Ordnung

Blattodea (Schaben)

Familie

Blaberidae

Gattung

Macropanesthia

Art

rhinoceros











Namen: Australische Großschabe, Riesenrhinocerosschabe, Giant Burrowing Cockroach, Rhinoceros Cockroach, Litter Bug,

Beschreibung
Macropanesthia rhinoceros ist aufgrund ihrer Größe von maximal 12 cm und einem Gewicht von maximal 50 Gramm eine der größten und eindrucksvollsten Schaben der Erde. Die Farbe der Cutikula ist ein dunkles Rotbraun, die Unterseite  ist heller ausgeprägt.. Der Körper ist oval, bei den Männchen etwas mehr gestreckt und nicht so breit wie bei den Weibchen. Die Beine sind kurz und mit starken Dornen besetzt, die ihnen das rasche Eingraben in das  Substrat ermöglicht. Die Tiere besitzen keine Haftorgane an den Tarsen  und auch die Krallen sind schwach ausgebildet, was ein Klettern oder gar ein Haften an glatten Oberflächen unmöglich macht, was bei der grabenden Lebensweise auch nicht nötig ist. Die kräftigen Dornen an den Beinen  werden bei Abwehrbewegungen zu einer schmerzhaften Bewehrung. Der Kopf trägt ein Paar relativ kurzer Fühler und wird meist unter dem Pronotum getragen, unter dem dann nur die Fühler herausragen. Die Fühlerbewegungen sind eher langsam und bedächtig. Die Fühler dienen der Orientierung und der olfactorischen Überprüfung der Nahrung. Aber auch bei der Begegnung zweier Individuen werden die Fühler jedesmal intensiv  benützt, eventuell erkennen sich die Tiere untereinander. Der Kopf kann  für die Nahrungsaufnahme weit herausgestreckt werden. Die Mandibeln  sind recht imposant, werden bei meinen Tieren aber nicht zur  Verteidigung eingesetzt. Nur selten passiert es, daß ein Tier mit den Mandibeln meine Haut testet, ob sie vielleicht fressbar ist, das ist dann allerdings deutlich spürbar, wird aber sofort wieder unterlassen und dann nicht wiederholt (lernfähig?). Die Oberfläche der Tiere ist  sehr glatt, um sich im Substrat ohne großen Aufwand vorwärts bewegen  zu können, wobei das Pronotum wie eine Schaufel eingesetzt wird. Das Pronotum ist bei den Weibchen weniger stark eingebuchtet und die Wülste sind weniger stark ausgeprägt als bei den Männchen. Bei diesen kann das Pronotum ähnliche Formen wie bei den Nashornkäfern annehmen, ohne jedoch ein Horn auszubilden. Wegen dieser Form wohl auch der wissenschaftliche Name. Beide Geschlechter weisen keine Flügel auf, die Tiere sind  vollkommen auf grabende Lebensweise eingestellt. Erstaunlich ist nicht nur die schiere Größe der Tiere, auch die Lebensdauer ist beeindruckend. Es dauert schon mehrere Jahre(ca.5!), bis die Tiere ausgewachsen sind, dann leben sie für mehrere Jahre als Adulti im Familienverband. Insgesamt leben die Tiere ca. 10 Jahre(!). 

Pärchen von Macropanesthia rhinoceros, links Männchen, rechts Weibchen

Verhalten
Diese Rieseninsekten beeindrucken nicht nur durch ihre Größe und ihr Alter, auch ihr Verhalten ist erstaunlich: in der Natur legen sie in sandigem  Boden unterirdische Gangsysteme von bis zu einem Meter Tiefe an, in  denen sie in einer Art Familienverband zusammen mit dem Nachwuchs leben. Von der Oberfläche tragen sie die in ihrer Heimat auf dem Boden liegenden trockenen Eukalyptusblätter in den Bau ein, in dem diese dann  von den Tieren gemeinschaftlich verspeist werden. Bei mir ernährten sich  die Tiere von weißfaulem Buchenholz, das sie zernagen und an Ort und Stelle fressen, sowie von den Blättern des Substrates aus  Buchenwaldstreu. Sie bekommen trockene braune Buchenblätter und Buchenwaldhumus. Gerne  fressen sie auf den Ästen aufgewachsene Flechten und Moose, aber dies  nur selten. Lebendes Pflanzenmaterial wird verschmäht, manchmal fressen sie ein wenig Obst(Banane), meist jedoch Buchenblätter. Gerne trinken sie Wasser, daher besprühe ich das Terrarium ab und an mit Wasser. Der Kot der Tiere ist ca 8mm lang, braun und hat mehrere helle Längsstreifen. Die Tiere benötigen mehrere Jahre bis zum Erreichen der Geschlechtsreife und leben dann noch mehrere Jahre als Adulti. Bei meinen Tieren habe ich keinerlei agressives Verhalten untereinander feststellen  können. Sie sind untereinander absolut friedfertig und zeigen auch beim Herausnehmen kein Beißen, obwohl sie dazu mit ihren beeindruckenden  Mandibeln durchaus in der Lage wären. Auch habe ich bisher keinen Fall  von Kanibalismus, auch nicht an sehr kleinen Tieren oder frisch gehäuteten Exemplaren, wie das oft bei anderen Schabenarten beobachtet werden kann. Im Übrigen sind die Tiere immer sauber, obwohl sie sich oft durch das Substrat wühlen. Ich vermute, die Cutikula ist wie bei anderen Insekten mit einer feinen Schicht Wachs überzogen, auf der  Schmutz und Wasser abperlen wie beim Lotoseffekt. Diese Sauberkeit macht die Tiere sehr sympatisch, außerdem sind sie nach meinen Erkenntnissen keine Überträger von Krankheiten. Im Terrarium lebt Macropanesthia rhinoceros unterirdisch im selbstgegrabenen Gangsystem.

Häutung

Frisch gehäutete Nymphe

Die Tiere  machen wie alle Schaben eine unvollständige Entwicklung, d.h. ohne ein  Puppenstadium, durch. Die kleinen Schaben werden lebend geboren, sind zu diesem Zeitpunkt weiß und ca 15mm groß und dunkeln dann bis zu einem hellen Braun nach. Sie häuten sich dann im Laufe ihres Lebens 12- oder  13mal in mehrmonatigen Abständen. Bei jeder Häutung nehmen sie erheblich an Größe zu, bis sie schließlich ihre imposante Größe erreichen.  Während der Häutung platzt das Pronotum auf und die reinweiße(!) neue Schabe schiebt sich in einem mühevollen Prozess aus ihrer alten Haut  heraus. Dies ist ein sehr heikler Moment für die Schabe, da die Cutikula weich und äußerst verletzlich ist. Störungen führen jetzt unweigerlich zu schweren Mißbildungen, bei Verletzungen der Cutikula mit austretenden Körperflüssigkeiten oft auch zum Tod der Tiere. Erst nach Tagen ist die Cutikula wieder fest wie ein Panzer, die reinweiße Farbe dunkelt immer mehr ein, bis das Tier wieder seine dunkel rotbraune Farbe erhält. Als  Adulti häuten sich die Tiere nicht mehr.

Haltung
Ich hielt meine 4 Weibchen und 4 Männchen  zusammen in einem Aquarium mit  Abdeckung ohne Beleuchtung. Im Dunkeln sind die Tiere oft an der Oberfläche und sehr gut zu beobachten, ohne sie zu stören. Sie dürfen dem direkten Sonnenlicht nicht ausgesetzt werden, dies würde sie töten. Bei mir standen sie in einem fensterlosen, gleichbleibend beheizten Raum  bei ca 22-24 Grad Celsius. In der Natur herrscht im Inneren der Gänge eine ganzjährig gleichbleibende Temperatur von 20 Grad. In dem Terrarium befindet sich eine Schicht aus 10-15 cm Buchenwaldstreu mit Buchenblättern. Hierbei achtete ich immer darauf, daß ich keine oder nur minimale Nadelbaumreste mit einstreue! Für Rosenkäfer, die die gleiche  Einstreu von mir erhalten, sind Nadelbaumholz oder die Nadeln selber  hochtoxisch, und da es zur Toxozität der Nadelbaumharze bei  Macropanesthia rhinoceros von meiner Seite keine Erfahrungen gibt, bin  ich hier lieber übervorsichtig. Auf der Buchenwaldstreu liegen ca. 4cm dicke weißfaule Buchen-oder Eichenäste, bevorzugt mit Bewuchs aus Moosen und Flechten(austauschen, wenn kahlgefressen!). Die Äste bilden ein  Labyrinth aus Kammern und Gängen, in dem sich die Tiere sehr gerne aufhalten. Das hat den Vorteil, das ich die Tiere durch vorsichtiges  Abheben weniger Äste sehen und kontrollieren kann. Sonst krabbeln die Tiere oft an der Oberfläche, da es im Keller ohnehin dunkel ist. Zwei- bis dreimal pro Woche besprühte ich die Äste und das Laub mit lauwarmem Leitungswasser, wobei sich die Tiere eher wasserscheu verhalten und aus  dem Regen flüchten, nach kurzer Zeit kann man jedoch aktives Trinken an den Ästen beobachten. Ich habe aber eher den Eindruck, daß die Tiere  trockeneres Klima bevorzugen und ihren Flüssigkeitsbedarf über die  Nahrung decken. Aufgrund ihrer Friedlichkeit und ihrer imposanten Größe eignen sich diese Tiere hervorragend für eine Haltung im Terrarium. Ihnen fehlen die Flügel und sie haben keine Haftorgane zum Klettern, sodaß sie bei glatten Terrarienwänden keine Ausbruchversuche unternehmen können. Da sie mehrere Jahre alt werden, hat man an diesen Tieren lange Freude. Da sie allerdings nicht sehr produktiv sind und bei mir nur einmal im Jahr  (Dezember) zur Fortpflanzung schreiten, sind der Verbreitung der Tiere in den Terrarien Grenzen gesetzt. Durch ihr friedliches und wenig schreckhaftes Wesen eignen sie sich auch als Haustiere für Kinder.
Ich reinige das Terrarium alle paar Monate, durch das Buchenstreu werden immer wieder Kleintere eingeschleppt (kleine weiße Asseln) die sich u.a. auch vom Kot der Schaben ernähren. Dadurch entsteht eine Art  ökologisches Gleichgewicht im Terrarium, welches mehrere Monate anhält. Ich reinige immer dann, wenn an der Oberfläche des Substrates Kot zu sehen ist.
Wie schon erwähnt, sind die Tiere friedlich und beißen nicht. Durch die  bedornten Beine und das schaufelförmige Pronotum sind die Tiere in der Lage, sich innerhalb von wenigen Sekunden im Substrat einzugraben. Nimmt man die Tiere in die Hand, setzen sie ihre Beine ein, um sich aus dem  Griff zu befreien. Dabei können sie mit den Dornen ihrer Beine leicht stechen, die Dornen sind jedoch stumpf und dringen nicht in die Haut ein, es kommt also nie zu Verletzungen. Beim Umgang mit den Tieren ist ein leichtes Rascheln oder Zischen zu hören, welches sie durch  Aneinanderreiben ihrer Hinterleibssegmente erzeugen. Man sollte mit den Tieren sehr behutsam umgehen und sie nicht mit Gewalt  festhalten. Das ist auch nicht nötig. Auch sind sie trotz ihres harten Panzers sehr verletzlich und können an inneren Verletzungen sterben. Stürze sind tunlichst zu vermeiden.
Im net finden sich Hinweise auf symbiotisch auf den Rhinos lebende Milben, meine Tieren sind jedoch völlig milbenfrei gwesen. Eventuell kann man mit  trockenerer Haltung solchen Milben den Garaus machen, man muß aber aufpassen, dass man Tiere nicht vertrocknen. Die Macros trinken gerne Wassertropfen und man muß sie bei Trockenheit  regelmäßig tränken.


Anmerkung: Nach mehreren Jahren der Haltung meiner Rhinos habe ich sie nun abgegeben, da es mir nicht gelungen ist, einen Zuwachs meines Zuchtstockes zu erzielen.

Erhalten habe ich meine Tier damals von Peter Grabowitz,
Polyped. Soweit mir bekannt, bietet er immer noch Tiere an.

zurück
Home